Ratgeber · Statuscodes & Redirects

301, 302 oder 410: Welcher Statuscode wann der richtige ist

Die Entscheidung folgt einer festen Logik

Die Entscheidung folgt einer einfachen Logik: Gibt es einen gleichwertigen Nachfolger, setze eine 301-Weiterleitung. Ist die Änderung wirklich vorübergehend, eine 302. Ist der Inhalt ersatzlos weg, antworte mit 410. Und wenn die Seite noch Traffic oder Backlinks hat: behalten statt löschen. Google behandelt beide Redirect-Arten heute ähnlich – aber erst nach einer Übergangszeit, und genau dort entstehen die Fehler.

Die vier Optionen – eine Entscheidungslogik

Bei jeder URL, die wegfallen oder umziehen soll, prüfe ich vier Fragen in dieser Reihenfolge:

  1. Hat die Seite noch Wert? Traffic in der Search Console, Backlinks, interne Links. Wenn ja: nicht löschen – behalten oder überarbeiten.
  2. Gibt es einen gleichwertigen Nachfolger? Dann 301. Gleichwertig heißt: Der Besucher findet dort, was er suchte – nicht bloß die Startseite.
  3. Kommt die Seite zurück? Wartungsfenster, saisonale Aktion, A/B-Test: 302. Nur dann.
  4. Ersatzlos weg? Dann 410 („Gone“) – das ehrliche Signal an Google, die URL zügig aus dem Index zu nehmen.
Entscheidungsbaum: 301, 302, 410 oder behalten Vier Fragen in fester Reihenfolge – jede URL bekommt genau eine Antwort 1. Hat die Seite noch Wert? Traffic, Backlinks, interne Links Ja Nein, weiter prüfen Behalten / überarbeiten 2. Gleichwertiger Nachfolger? Besucher findet dort, was er suchte Ja Nein, weiter prüfen 301-Weiterleitung 3. Kommt die Seite zurück? Wartung, Aktion, A/B-Test Ja Nein 302-Weiterleitung 410 – ersatzlos weg Nur wer alle vier Fragen der Reihe nach prüft, vermeidet die häufigsten Redirect-Fehler. viktorpasztor.de · Statuscodes & Redirects
Entscheidungsbaum für Statuscodes: Wert prüfen, dann Nachfolger, dann Rückkehr, sonst 410.

Statuscodes im Überblick

StatuscodeBedeutungSEO-Wirkung
200 OKSeite ist erreichbar und liefert InhaltNormalzustand, keine Aktion nötig
301 Moved PermanentlyDauerhafte WeiterleitungÜberträgt Signale auf die Ziel-URL, Standard beim Umzug
302 FoundVorübergehende WeiterleitungZiel-URL übernimmt Signale erst mit Verzögerung
404 Not FoundSeite nicht gefundenWird von Google mehrfach nachgeprüft, bevor sie aus dem Index fällt
410 GoneBewusst entfernt, kein ErsatzKlares Signal, verschwindet meist schneller aus dem Index als 404

Die Tabelle zeigt die Codes, die in der täglichen SEO-Arbeit tatsächlich relevant sind. Alle übrigen 4xx- und 5xx-Codes sind in der Regel technische Fehler, keine strategische Entscheidung.

301: der Standard bei jedem Umzug

Die permanente Weiterleitung überträgt die Signale der alten URL auf die neue – Google bestätigt in der offiziellen Doku, dass serverseitige Redirects der stärkste Weg sind, einen Umzug zu kommunizieren. Wichtig ist die Lebensdauer: Google empfiehlt, Weiterleitungen mindestens ein Jahr aktiv zu lassen; aus der Praxis rate ich bei wichtigen Seiten zu dauerhaft – Backlinks altern nicht.

Der häufigste 301-Fehler ist nicht der fehlende Redirect, sondern die Kette: alt → Zwischenstand → neu → neuer Slug. Jede Station kostet Crawl-Zeit, und ab etwa fünf Hops steigt Google aus. Ketten immer auf einen einzigen Sprung verkürzen.

302: fast immer die falsche Wahl

Das Suchvolumen zu „302 seo“ ist klein, das Problem dahinter groß: 302 wird meist versehentlich gesetzt, weil es in manchen Systemen der Default ist. Die Folge ist kein Drama – Google wertet ein dauerhaft stehendes 302 nach einiger Zeit wie ein 301 –, aber die Übergangszeit ist unnötige Unschärfe: Die alte URL bleibt länger im Index, die neue übernimmt langsamer. Merksatz: 302 nur, wenn du das Rückkehrdatum kennst.

410 statt 404: löschen mit Ansage

Eine gelöschte Seite ohne Nachfolger sollte nicht auf die Startseite weiterleiten – solche „Soft-Redirects“ behandelt Google als Soft 404, und der Nutzer landet verwirrt im Nichts. Ein sauberer 410 sagt: bewusst entfernt. In der Praxis verschwinden 410-URLs meist schneller aus dem Index als 404er, weil Google 404 zunächst als möglichen Zufallsfehler mehrfach nachprüft.

Der Relaunch-Fall: wo Sichtbarkeit wirklich verloren geht

Die meisten Rankingverluste nach einem Relaunch haben dieselbe Ursache: Das Weiterleitungskonzept fehlte oder bildete nur die Hauptseiten ab. Wie viel dabei auf dem Spiel steht, zeigt eine Studie von Ahrefs über gut zwei Millionen Websites: 66,5 Prozent aller seit 2013 auf diese Domains gesetzten Links sind inzwischen tot.

Link Rot nach neun Jahren Anteil der seit 2013 gesetzten Links, nach Zustand, in Prozent 0 % 25 % 50 % 75 % Tot (Link Rot) Intakt Temporäre Fehler 66,5 % 27,05 % 6,45 % Ergebnis auf Basis von über 2 Millionen untersuchten Websites seit Januar 2013. Quelle: Ahrefs, „Link Rot Study“, abgerufen am 06.08.2026 viktorpasztor.de · Statuscodes & Redirects
Link Rot über neun Jahre: 66,5 Prozent der Links sind tot, 27,05 Prozent intakt, 6,45 Prozent zeigen temporäre Fehler (Ahrefs-Studie über 2 Millionen Websites).

Kategorien, alte Blog-Slugs, Parameter-URLs – alles, was Backlinks oder Rankings trug, läuft auf 404. Deshalb gehört vor jeden Relaunch ein vollständiger Crawl der Alt-Domain plus GSC-Abgleich, und jede URL bekommt eine der vier Entscheidungen aus dem Entscheidungsbaum oben. Den Gesamtrahmen für diese Arbeit liefert technisches SEO.

Häufige Fehler

Alles auf die Startseite umleiten

Soft 404 für Google, Sackgasse für Nutzer. Ohne gleichwertigen Nachfolger ist 410 ehrlicher als ein Redirect ins Nichts.

302 als Dauerlösung

Verzögert die Signalübertragung ohne jeden Vorteil. 302 gehört nur dorthin, wo ein konkretes Rückkehrdatum feststeht.

Weiterleitungsketten stehen lassen

Alt → Zwischenstand → neu kostet Crawl-Zeit. Nach jedem Relaunch einmal crawlen und auf einen Hop kürzen.

404-Seiten pauschal als Problem behandeln

Ein 404 für nie existierende URLs ist korrekt – nur URLs mit Traffic, Backlinks oder internen Links brauchen eine Entscheidung.

Häufige Fragen zu Statuscodes und Redirects

Verliert eine 301-Weiterleitung Linkkraft?

Nach Googles Aussagen geht durch den Redirect selbst kein PageRank verloren. Praktisch entscheidend ist die Relevanz des Ziels – ein Redirect auf ein anderes Thema wirkt wie keiner.

Wie lange muss eine Weiterleitung aktiv bleiben?

Mindestens ein Jahr laut Google. Bei URLs mit Backlinks: dauerhaft.

404 oder 410 – was ist besser?

Für bewusst gelöschte Inhalte 410. Ein 404 ist nicht falsch, wird aber von Google öfter nachgeprüft, bevor die URL aus dem Index fällt.

Wie finde ich alle URLs, die einen Redirect brauchen?

Crawl der alten Website (zum Beispiel mit Screaming Frog) plus Search-Console-Export der Seiten mit Impressionen plus Backlink-Liste. Die Schnittmenge ist die Redirect-Map.

Viktor Pásztor

Viktor Pásztor ist SEO-Freelancer in Berlin, seit über 15 Jahren im digitalen Marketing und betreut rund 15 Kundenprojekte parallel, vorwiegend E-Commerce und B2B. Er arbeitet seit über fünf Jahren zu 100 % remote – mit WordPress, Shopify, Shopware und TYPO3. Mehr über Viktor Pásztor

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