Ratgeber · Paginierung
Paginierung und SEO: So setzt du Blog-Archivseiten richtig auf
Drei Regeln reichen für sauberes Blog-Paginierung
Für paginierte Blog-Archive gelten drei Regeln: Jede Archivseite bekommt eine eigene URL mit Self-Canonical, die Seiten sind über normale HTML-Links verbunden, und keine Archivseite steht auf noindex. Die Markups rel=“prev“ und rel=“next“ wertet Google seit März 2019 nicht mehr aus – wer sie noch pflegt, pflegt totes Markup.
Was Paginierung im Blog bedeutet
Sobald ein Blog mehr Beiträge hat, als auf eine Übersichtsseite passen, entsteht Paginierung: /seo-blog/, /seo-blog/page/2/, /seo-blog/page/3/ und so weiter. WordPress erzeugt diese Struktur automatisch – und genau deshalb wird sie selten bewusst konfiguriert. Das zeigt sich regelmäßig in Audits: Archivseiten, die per Plugin-Voreinstellung auf noindex stehen oder per Canonical alle auf Seite 1 zeigen.
Dabei setzt sich das Canonical-Tag branchenweit durch: 2024 nutzten es 65 Prozent der mobil gecrawlten Seiten, 2022 waren es erst 61 Prozent (Web Almanac 2024, HTTP Archive).
Warum das ein Problem ist: Die Archivseiten sind für viele ältere Beiträge der einzige interne Linkpfad. Kappt man sie, hängen alte Artikel ohne interne Links im Leeren – und verlieren genau die Auffindbarkeit, die eine saubere interne Verlinkung herstellen soll.
Die drei Regeln für sauberes Blog-Paginierung
Alle drei Regeln stehen so – direkt oder indirekt – in Googles eigener Dokumentation. Sie widersprechen sich nicht, sie ergänzen sich.
1. Self-Canonical auf jeder Archivseite
Jede Komponentenseite kanonisiert auf sich selbst: /page/2/ auf /page/2/, nicht auf Seite 1. Ein Canonical aller Archivseiten auf die erste Seite sagt Google „die Folgeseiten sind Duplikate“ – sie sind es nicht, sie listen andere Beiträge. Google empfiehlt in der offiziellen Dokumentation ausdrücklich, jeder paginierten Seite ihre eigene kanonische URL zu geben.
2. Normale HTML-Links zwischen den Seiten
Der Googlebot folgt a-href-Links. Eine Paginierung, die nur per JavaScript-Klick-Handler oder „Mehr laden“-Button funktioniert, ist für den Crawler eine Sackgasse – Google nennt dafür in derselben Dokumentation die Lösung: Buttons durch echte Links ergänzen oder ersetzen.
3. Kein noindex auf Archivseiten
Die verbreitete SEO-Plugin-Option „Archivseiten nicht indexieren“ stammt aus einer Zeit, in der man Duplicate Content fürchtete. Heute kostet sie doppelt: Erstens fliegen dauerhaft nicht indexierte Seiten aus dem Crawl-Rhythmus, zweitens schwächt es den Linkpfad zu älteren Beiträgen. Lass die Archivseiten indexierbar – sie ranken selten, aber sie tragen.
rel=“prev“ und rel=“next“: seit 2019 ohne Wirkung
Viele Themes und Plugins setzen die beiden Markups bis heute. Google hat jedoch im März 2019 bestätigt, dass rel=prev/next seit Jahren nicht mehr als Indexierungssignal verwendet wird. Schaden richtet das Markup nicht an – aber wer es als „Paginierungs-SEO“ verkauft bekommt, zahlt für Dekoration.
Paginierung: die Regeln im Überblick
| Maßnahme | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Self-Canonical je Archivseite | Pflicht | Verhindert, dass Google Folgeseiten für Duplikate hält |
| Normale HTML-Links zwischen den Seiten | Pflicht | Nur so kann der Googlebot allen Seiten folgen |
| noindex auf Archivseiten | Vermeiden | Kappt den Linkpfad zu älteren Beiträgen |
| rel=“prev“ / rel=“next“ | Ohne Wirkung seit März 2019 | Kein Indexierungssignal mehr, aber unschädlich |
| Beiträge pro Archivseite | 10–20 | Üblicher Korridor für Ladezeit und Nutzbarkeit |
Blog-Archiv ist nicht Shop-Kategorie
Fast alle Ratgeber zur Paginierung behandeln Onlineshop-Kategorien. Für Blogs gilt ein entscheidender Unterschied: Eine Shop-Kategorieseite soll selbst ranken („laufschuhe herren“), eine Blog-Archivseite fast nie – dort ranken die Beiträge. Daraus folgt: Im Blog braucht /page/2/ keine Optimierung auf ein Keyword, keinen eigenen Text, keine Beschreibung. Sie braucht nur drei Dinge: erreichbar, indexierbar, verlinkt. Wer mehr hineinoptimiert, verschwendet Zeit am falschen Ende.
Was stattdessen wirkt, wenn ältere Beiträge sichtbarer werden sollen: Kategorien und Tags aufräumen (weniger, dafür gepflegte), die wichtigsten Evergreen-Beiträge von der Blog-Startseite und aus neuen Artikeln direkt verlinken – und die Archivtiefe flach halten. Ein Beitrag, der nur über /page/9/ erreichbar ist, liegt neun Klicks von der Startseite entfernt.
So prüfst du deine Paginierung
Fünf Schritte, mit denen sich der Zustand einer Blog-Paginierung ohne Zusatz-Tools prüfen lässt:
- Seitenquelltext einer Archivseite öffnen (Rechtsklick → Seitenquelltext anzeigen) und nach
rel="canonical"suchen: Zeigt die URL auf sich selbst oder auf Seite 1? - SEO-Plugin-Einstellungen kontrollieren: Ist eine Option wie „Archivseiten nicht indexieren“ oder „noindex, paginierte Seiten“ aktiviert? Falls ja, deaktivieren.
- Prüfen, ob /page/2/ und weitere Seiten über echte a-href-Links erreichbar sind – nicht nur über einen „Mehr laden“-Button ohne Linkfallback.
- Archivtiefe kontrollieren: Wie viele Klicks liegen die ältesten Beiträge von der Startseite entfernt? Kategorien und Tags aufräumen, wichtige Evergreen-Beiträge direkt verlinken.
- rel=“prev“/rel=“next“ im Theme, falls vorhanden, stehen lassen – Entfernen ist kein Muss, Ergänzen bringt seit 2019 nichts mehr.
Häufige Fehler bei der Paginierung
Canonical aller Archivseiten auf Seite 1
Sagt Google, die Folgeseiten seien Kopien – der Linkpfad zu alten Beiträgen verschwindet aus dem Index.
noindex per Plugin-Default
Prüf deine SEO-Plugin-Einstellungen: „Paginierte Archive indexieren“ gehört auf Ja.
„Mehr laden“ ohne echte Links
Für Nutzer bequem, für den Crawler eine Wand.
rel=prev/next als Maßnahme verkaufen
Seit 2019 ohne Google-Wirkung.
Paginierung „wegoptimieren“ mit 100 Beiträgen pro Seite
Ladezeit und Nutzbarkeit leiden; 10–20 Einträge pro Seite sind der übliche Korridor.
Häufige Fragen zur Paginierung
Sollen Archivseiten in die XML-Sitemap?
Nein, nicht nötig – in die Sitemap gehören die Beiträge selbst. Die Archivseiten findet Google über die interne Verlinkung.
Ranken paginierte Seiten selbst?
Blog-Archivseiten praktisch nie, und das ist in Ordnung. Sie sind Verteiler, keine Zielseiten. Shop-Kategorien sind der andere Fall – dort rankt Seite 1.
Was ist mit Duplicate Content zwischen Archivseiten?
Seite 2 listet andere Beiträge als Seite 1 – das ist kein Duplikat. Mit Self-Canonicals ist die Sorge erledigt.
Wie viele Beiträge pro Archivseite?
10 bis 20 sind üblich. Entscheidender als die Zahl: Die wichtigsten Inhalte sollten nicht erst auf Seite 5 auftauchen, sondern direkt verlinkt sein.
Viktor Pásztor
Viktor Pásztor ist SEO-Freelancer in Berlin, seit über 15 Jahren im digitalen Marketing und betreut rund 15 Kundenprojekte parallel, vorwiegend E-Commerce und B2B. Er arbeitet seit über fünf Jahren zu 100 % remote – mit WordPress, Shopify, Shopware und TYPO3. Mehr über Viktor Pásztor
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